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Donnerstag, 9. Januar 2014

Der Tatortreiniger



Man sollte es ja nicht für möglich halten, aber manchmal kommt sogar bei den Öffentlich-Rechtlichen etwas Gutes aus der Produktion. Und da das einer Nadel im Heuhaufen gleicht, gehören derartige Produktionen auch besonders gewürdigt. Zu nennen wäre da zum Beispiel der Weihnachts-Tatort mit Christian Ulmen. Endlich mal eine gut inszenierte Geschichte, ohne grausam überzeichnete Charaktere und Twists, die jeglicher Logik entbehren.

Zu diesen Lichtblicken gehört zweifellos auch "Der Tatortreiniger". Bjarne Mädel alias Heiko "Schotty" Schotte ist Tatortreiniger. Sein Job beginnt da, wo die Arbeit von Kripo und Spusi endet. Schotty kratzt menschliche Überreste von der Wand und beseitigt Blutlachen. Dabei stößt er auf so allerhand schräge Gestalten. Mal landet er im Vereinsheim einer rechtsextremistischen Vereinigung oder er trifft auf einen blutverschmierten Axtmörder, der sich nach qualvollen Ehejahren gerade seiner ewig nörgelnden Frau entledigt hat.

Die Serie gleicht dabei einem Kammerspiel. Das ganze Geschehen spielt sich in nur wenigen Räumen ab und lebt praktisch ausschließlich von (in der Regel) zwei Charakteren und der Dynamik zwischen ihnen. "Der Tatortreiniger" benötigt keine bombastischen Inszenierungen, um den Zuschauer zu fesseln und zu begeistern. Es sind die Figuren und Dialoge, die faszinieren und den Tatortreiniger zu einer herausragenden Sendung machen, inmitten all der belanglosen dt. Eigenproduktionen und Kopien von ausländischen Formaten.

Aber die ARD wäre schließlich nicht die ARD, wenn sie es nicht vollbrächte, selbst ein tolles Format noch zu zerstören. Erstmals ausgestrahlt wurde "Der Tatortreiniger" um Weihnachten 2011 im Nachtprogramm des NDR. Ohne besondere Vorankündigung. Dementsprechend waren dann auch die Quoten. Kaum messbar. Doch binnen kürzester Zeit entwickelte sich ein Hype im Netz um die neue Serie und auch Kritiker fanden Gefallen an dem Format.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

ARD erneut unter Manipulationsverdacht: Wie in den Polit-Talks getrickst wird



Das Thema Flüchtlinge und Asylpolitik ist derzeit das vorherrschende Thema in den Medien. Doch speziell die Art und Weise, in der sich die Polit-Talks der ARD dem Thema widmen, ist mir sauer aufgestoßen. Hier versucht die ARD ziemlich offensichtlich, ihre Zuschauer zu manipulieren.

Schon im vorangegangenen Post über die letzte Ausgabe von Hart aber fair, erwähnte ich die auffällige Zusammensetzung der Talkrunde. Denn wieder einmal trat ein Schweizer Journalist als Antagonist auf, der sich allein gegen alle anderen Gäste und die vorherrschenden politische Meinung (links der Mitte) behaupten musste. Die Tatsache als solche ist wenig überraschend, da die Polit-Talks im Öffentlich-Rechtlichen grundsätzlich so aufgebaut sind. Auch Thilo Sarrazin wurde grundsätzlich kein Fürsprecher zur Seite gestellt.

Diese Praxis, dass in den Polit-Talks stets eine Mehrheit, die sich links der Mitte positioniert, gegen einen einzelnen Andersdenkenden in den Ring steigt, ist bereits eine Form der Manipulation. Es wird damit kommuniziert, dass der eine Gast mit seiner Meinung völlig alleine dasteht und gegen die (vor allem zahlenmäßige) Überlegenheit der anderen keine Chance hat. An einem argumentativen Austausch sind weder die Moderatoren, noch die anderen Gäste interessiert. Vielmehr wird emotionalisiert und polemisiert und nicht selten wird der Andersdenkende dann auch angefeindet und diffamiert.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Hart aber fair: "Etwas besseres als den Tod bieten wir nicht?"

Es war schon abzusehen, dass das "Flüchtlingsdrama" von Lampedusa unweigerlich wieder zum Thema zahlreicher Polit-Talks gemacht werden würde. Ebenso wenig vermögen es der allgemeine Tenor einer solchen Sendung, sowie die Zusammenstellung der Talkrunde noch zu überraschen.

Unter einem mal wieder sehr provokanten Titel ("Tragödie am Strand - Etwas besseres als den Tod bieten wir nicht?") läutete Frank Plasberg am Montag die Talkwoche ein. Elementare Bestandteile einer solchen Sendung sind natürlich immer dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nahestehende Journalisten, die mit entsprechenden "Erfahrungswerten" zum jeweiligen Thema auftrumpfen können und so gleichzeitig für die wünschenswerte - politisch wie moralisch korrekte - Meinungsbildung zuständig sind. In diesem Fall übernahm Elias Bierdel diesen Part, schließlich setzt er sich schon seit Jahren in der Flüchtlingspolitik ein und kämpft für Menschenrechte.

Dann nimmt man gern noch einen Betroffenen mit ins Talk-Boot. Diese Rolle übernimmt häufig - sofern sie nicht gerade Taschen auf QVC anpreist - Khadra Sufi, die als somalische Diplomatentochter, später Asylsuchende und Flüchtlingskind praktischerweise gleich ein breites Spektrum an Talkthemen abdecken kann. Dann nehme man noch jemanden aus dem Entertainment-Bereich, der zusammen mit dem Betroffenen die nötige Emotionalität reinbringt, einen drögen Politiker (heißt ja schließlich Polit-Talk) und natürlich einen Antagonisten. Einen, der eine unpopuläre Meinung vertritt und auf den sich dann alle nach Herzenslust einschießen dürfen. Ironischerweise scheinen diesen Part häufig Schweizer Journalisten zu übernehmen. In Deutschland lassen sich offenbar keine Journalisten finden, die bereit sind, sich in eine rechte Ecke drängen zu lassen.

Mittwoch, 18. September 2013

Geh' nicht hin, echt jetzt! - Eine Lanze brechen für Jürgen Milski

Ich muss hier wirklich mal einen Lanz eine Lanze brechen für Jürgen Milski. Denn was da kürzlich bei Lanz über den Äther ging, brachte mich echt zur Weißglut. Jürgen Milski (muss man nicht unbedingt kennen) outete sich dort nämlich als bekennender Nichtwähler. Dass man ihn dafür nicht aus dem Studio prügelte oder an Ort und Stelle verbrannte, war aber auch wirklich alles. Insbesondere von Sophia Thomalla (muss man auch nicht kennen) - die für ProSieben in einer Art Wahl-Task-Force junge Menschen zum Wählen animieren durfte/musste/sollte - glänzte mit so geistreichen Vorwürfen wie: "Du weißt aber schon, wo die Stimmen dann hingehen, wenn du nicht wählen gehst, oder?"

Äh, Moment mal... Wenn ich nicht wählen gehe, bekommt also trotzdem jemand meine Stimme? Wollte sie das wirklich damit sagen? Das mag ja in Russland oder dem Iran so zugehen, aber nicht in Deutschland. Traurig nur, dass das der Thomalla keiner erzählt hat. Stoßrichtung ihres völlig unqualifizierten Einwands war aber vermutlich folgende. Kleine Parteien (also auch jene rechts und links der Mitte) profitieren tendenziell von einer niedrigen Wahlbeteiligung, zumindest sofern sie ihre Stammwähler trotzdem mobilisieren können. Diese These macht allerdings nur dann Sinn, wenn man voraussetzt, dass der Nichtwähler den etablierten Parteien nahe steht.

Freitag, 30. August 2013

Menschen bei Maischberger: Der Wahnsinn hat Methode

Die Tage werden leider schon wieder kürzer und die Abende kühler, was sich für mich vor allem darin widerspiegelt, dass es mich in den Abendstunden öfter vor den Fernseher verschlägt. Und was ich da immer sehen muss sehe, ist selten gut und wird wohl auch nicht mehr besser.

Am Dienstag talkte Sandra Maischberger mit ihren Gästen zum leidigen Thema Asyl. Allein der Titel der Sendung - "Wut auf Asylbewerber: Sind wir Ausländerfeindlich?" - ist so typisch für die Bigotterie der Öffentlich-Rechtlichen. Ich kann mir da irgendwie nicht helfen, einerseits Platz mir schon der Kragen, wenn ich Michel Friedman mit erhobenem Zeigefinger predigen höre, was für eine Schande es doch ist, wie wir Deutschen Flüchtlinge bzw. Asylbewerber behandeln. Absolut menschenunwürdig nämlich, so Herr Friedman. Andererseits bleibe ich dann doch bei der Sendung hängen, nur um mich noch mehr aufzuregen...

Dienstag, 5. Februar 2013

Apple im ARD-Markencheck

Gemeinhin sollte man annehmen können, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihrem Auftrag nachkommen, uns Bürger korrekt, unabhängig und qualitativ hochwertig zu informieren. Der Zuschauer kann unzählige Informationen von Reportagen nicht selbst nachprüfen und muss sich somit wohl oder übel auf die Methoden des investigativen Journalismus verlassen.

Nun hat die ARD ihre Glaubwürdigkeit mit dem gestrigen Markencheck jedoch stark unterminiert. Kürzlich hatte sich bereits der Konzern TUI über eine nicht repräsentative und einseitige Darstellung beschwert. Sollte der Vorwurf stimmen, so wäre das ein schwerer Schlag für die Kredibilität des Formats. Dass TUIs Protest womöglich nicht ganz unbegründet ist, lässt der neuste ARD-Markencheck vermuten.

Sonntag, 20. Januar 2013

Zwangsfinanziertes Trash-TV: "Wetten, dass..?"

Wer nicht mit der Zeit geht, der muss mit der Zeit gehen. Die Sendung „Wetten, dass..?“ scheint diesem ungeschriebenen Gesetz jedoch zu trotzen. Und das seit nunmehr 32 Jahren. Dabei ist die familiäre Samstagabendunterhaltungsshow längst tot. Die Zeiten, in  denen die Show regelmäßig mehr als 20 Millionen Menschen vor den Bildschirm lockte, sind Geschichte. Dennoch hält das ZDF unbeirrt an diesem Format fest. – Zu Unrecht, wie auch die gestrige Sendung wieder einmal demonstrierte.

Zugegeben, die Show war schon zu Gottschalks Zeiten gespickt von Peinlichkeiten und Fremdschämmomenten. Doch es scheint, als sei das ZDF fest entschlossen, sich im Niveaulimbo-Wettkampf gegen die private Konkurrenz durchzusetzen. Das beginnt damit, dass jeder Wettkandidat in einem Einspielfilmchen vorgestellt wird. Mit der Wette an sich hat das meist gar nichts zu tun, vielmehr werden die Kandidaten in ihrem angeblichen alltäglichen Umfeld präsentiert. Moment, das kennen wir doch. Richtig, genauso stellt ProSieben seit Jahren die potentiellen Gegner Raabs vor.

Doch während man bei Raabs Einspielfilmchen schon mal das Gefühl hat, Chuck Norris sei nicht der einzige Übermensch, stellt uns Lanz ein übles Klischee vor. Einen asitoastergebräunten, gegelten Hobby-Bodybuilder und –Wrestler, der davon träumt einmal Schönheitschirurg zu werden, um dann nicht minder klischeebehafteten Vertretern des anderen Geschlechts die Brüste zu vergrößern. Und nein, ich habe mich nicht im Sender vertan.

Bei „Wetten, dass..?“ gibt es eben keine Übermenschen, Cindy einmal ausgenommen. Bei der ist es jedoch eher die horizontale Übergröße, die sie zum Übermenschen dieser Sendung macht. Aber über im Sinne von überall überflüssig. Ich bin dieser Übergewichtigen überaus überdrüssig und überall und überhaupt würde ich dieses Übergewicht zu einem überschallschnellen Übergang oder besser Abgang überreden.

Lanz ist ja schon peinlich genug. Diese Gesprächstechnik und diese dummen Fragen („Wie ist es einen Oskar zu gewinnen?“) sind wirklich nur schwer zu ertragen. Die Gäste tun da ihr übriges. Was interessiert es mich, ob der Schweighöfer nun Flugangst hat und drei Minuten darüber schwadroniert? Noch viel weniger interessiert es mich, dass Ralf Schmitz in seiner Kindheit Strumpfhosen getragen hat. Das ist so furchtbar belanglos, so grauenvoll ermüdend, dass ich mir die Fernbedienung wie eine Pistole an den Kopf halte, während ich weiterzappe.

Ich weiß nicht, wie viel man trinken muss, um Ralf Schmitz lustig zu finden. Wie er da so endlos ohne Punkt und Komma daherredet und es einfach nicht versteht eine Pointe zu setzen. Und wen es amüsiert, wie Schmitz dann ungelenk im Tutu über die Bühne springt, der lacht wohl auch über den Tortengag. Ein dankbares Publikum ist das. Eines, das eben auch eine furchtbar hässliche, fette Frau im pinken Strampler lustig findet.

Hahahaha, die ist ja soooo witzig. So schön selbstironisch, hahaha. Nein, das ist nicht lustig! Die fette, arbeitslose Ilka Bessin aus der Plattenbausiedlung schminkt sich noch ein bisschen hässlicher, als sie ohnehin schon ist, quetscht sich in billige, peinliche Klamotten und redet noch ein bisschen prolliger daher, als sie in Wahrheit ist und fertig ist die Kunstfigur Cindy. Ja, das reicht schon, um hierzulande berühmt und erfolgreich zu sein. Nein, es reicht sogar, um die erfolgreichste Frau im deutschen Fernsehen zu werden. Welch ein Armutszeugnis!

Und das Traurigste ist wirklich, dass selbst vermeintlich anspruchsvollere Medien wie Spiegel Online und Sueddeutsche.de diese Person heute noch über den grünen Klee loben. Sie sei der einzige Lichtblick der Show. Was ist bloß los mit den Leuten?

Es gibt sicherlich viele Arten von Humor, aber Cindy gehört sicher nicht dazu. Es ist immer und immer wieder der gleiche Schwachsinn. Diese Frau kann ja gar nichts anderes als diese eine langweilige, ausgelutschte und eben überhaupt nicht komische Rolle. Und im Übrigen ist selbst diese eine Rolle nur ein billiger Abklatsch.

Die einzig wahre prollige Ghettoschlampe ist nämlich Vicky Pollard! Und der Unterschied ist gewaltig. Zwar verkörpern auch Matt Lucas und David Walliams in ihren Little-Britain-Sketchen stets primitive Figuren - von denen jede ihre eigene Catch-Phrase hat - aber dabei sind die beiden extrem wandlungsfähig. Jeder verkörpert etwa ein Dutzend Figuren. Cindy ist Cindy. Immer und überall. Und das seit ca. acht Jahren. Es ist der immer gleiche Aufguss, der schon beim ersten Mal wenig erfrischend und alles andere als geschmackvoll war.

Wenn dieses fleischgewordene pinke Wollknäuel nun durch Sendungen im Privatfernsehen rollt, dann kann mir das ja noch herzlich egal sein, aber wenn das ZDF zwangsfinanzierten Bullshit mit diesen Trash-TV-Ikonen fabriziert, dann bringt mich das verdammt noch mal zur Weißglut!

Mittwoch, 16. Januar 2013

Same Procedure As Every (Mon)day

Ich kann es einfach nicht mehr sehen! Das allabendliche Fernsehbild nervt. In meiner Verzweiflung bleibe ich immer öfter bei den Öffentlich-Rechtlichen hängen. Man sollte doch annehmen dürfen, dass bei einem acht Milliarden Euro Etat zumindest zur Prime-Time mal etwas Vernünftiges dabei herausspringt. Dem ist aber leider nicht so.

Was für ein grauenhaft schlechter Tatort war das am Sonntag? Schlechtes Drehbuch, schlechte Szenerie und auch furchtbar schlechte und blasse Darsteller. Jeder Filmstudent stellt mit geringeren Mitteln wesentlich interessanteres auf die Beine.

Mangels Alternativen zappte ich am Montag auch wieder bei Plasberg rein. Und erneut war es eine grauenhaft lahme Talkrunde. „Blitzer, Steuern, City-Maut – Freie Fahrt nur für reiche Bürger?“ Immer diese dämlichen Themen, die so überkandidelt klingeln, als stammten sie geradewegs aus der Feder eines RTL-Explosiv-Redakteurs.

Eine Reich-Arm-Debatte blieb den Zuschauer dann jedoch glücklicherweise erspart. Stattdessen wurden mal wieder die gängigsten Klischees bedient. Da waren das testosterongelandene Vierkant mit dem grauenhaften Modegeschmack und die ehemalige Rallyfahrerin, die sich für die Rechte der Autofahrer stark machten. Für Tempolimit, Blitzer und City-Maut sprachen sich dagegen Harald Schmidts Ex-Sidekick und überzeugter Fahrradfahrer Manuel Andrack sowie der grüne Oberbürgermeister Tübingens aus.

Komplettiert wurde die Runde von Peter Ramsauer, der vor allem sich und seine Verkehrspolitik lobte. Das hätte er bei Jauchs Flughafen-Talk wohl schwerlich gekonnt, vermutlich hatte er seine Teilnahme deshalb dort abgesagt.

Tja, was soll man dazu sagen? Die einen wollen freie Fahrt für freie Bürger, die anderen beklagen sich über Raser und wollen die guten Bürger vor diesen gemeingefährlichen Rasern schützen. Verhärtete Fronten und jedes Statement wurde schon unzählige Male gehört.

Was mich bei solchen Diskussionen aber immer zur Weißglut bringt, sind Leute wie Andrack und Palmer, die in ihren Städtchen schön mit dem Radel verkehren oder sich bei miesem Wetter auch mal ein Taxi gönnen und sich daher in moralischer Überlegenheit wähnen. Schön für euch! Aber es gibt eben auch Leute, die täglich etliche Kilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz pendeln müssen. Was maßen sich diese Radfahrer an, anderen Menschen Vorschreibungen machen zu wollen, von denen sie selbst nicht oder nur selten betroffen sind? 

Das ist in etwa so, als wenn der Papst die Sexualmoral definierte. Wie, das tut er auch? Also das ist ja... Das kann doch nicht...

Lassen wir das. Es ist ja doch immer das gleiche leere Geschwätz, das uns in diesen Talkrunden so vorgesetzt wird. Und so langsam dolcht mich, dass diese seichte Unterhaltung ganz genau das Ansinnen von Öffentlich-Rechtlichen und Politikern ist. Man nehme ein streitbares, aber im Prinzip belangloses Thema, suggeriere den Zuschauern ihre Stimme fände Gehör, in dem man ein paar Statements zusammenhangslos vorliest und fertig ist die Abendunterhaltung.

Politiker erhalten so die Gelegenheit, sich dem Elektorat zu präsentieren und ein paar mediengeile Fernsehsternchen können abseits ihrer sonstigen Sendezeit ein bisschen an ihrem Image feilen. Alles schön einfach verpackt, möglichst unaufgeregt und konsensfähig. Bloß keine schlafenden Hunde wecken. Umarmt den Status quo. Und ehrlich gesagt, nach so einschläfernden Sendungen fällt es mir auch immer schwerer, mich überhaupt noch darüber aufzuregen...

Dienstag, 8. Januar 2013

Plasbergs lahmer Talk über Lebensmittel

Am Montag diskutierte Frank Plasberg mit seinen Gästen zum Thema: „Die Supermarkt-Lüge – Wie gut und fair kann günstig sein?“ Trotz der eigentlich viel zu kurz gegriffenen Versteifung auf Supermärkte, hätte es durchaus interessant werden können. Doch leider verließ die Diskussion nur selten das Fahrwasser der Banalität.

Das mag mitunter auch an der Auswahl der Gäste gelegen haben. Während die Vertreter der Industrie sowie des Handels in Person von Stefan Genth und Jürgen Abraham in die Sendung passten und ihre Sache durchaus zu verkaufen wussten, blieben die Verfechter des „guten“ Essens leider vollkommen blass. Bezeichnend, dass Hauswirtschaftsmeisterin Yvonne Willicks, Koch Vincent Kling und Kabarettist Bernd Stelter allesamt auf der Gehaltsliste der Öffentlich-Rechtlichen stehen. Das nennt man dann wohl selbstreferentiell.

Vincent Kling hatte zwar den einen oder anderen Lacher auf seiner Seite, versagte aber beim Geschmackstest von Bio- und Supermarktfleisch. Auch die Schilderung des Speiseplans (u.a. Grieß- und Haferbrei) seiner 92-jährigen Schwiegermutter, ließ dem Zuschauer nicht gerade das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Bernd Stelter dagegen legte besonderen Wert auf Wursttheken-Romantik. Dass die Qualität dieses Fleisches nicht besser ist als die des abgepackten Äquivalentes, bedarf dabei keiner weiteren Erläuterung. Der höhere Preis der Thekenprodukte rechtfertigt sich jedoch durch den höheren Personalaufwand, wie Jürgen Abraham einwarf. Was nun eigentlich Stelters Anliegen war, blieb ihm vermutlich selbst schleierhaft.

Derweil diskreditierte sich Yvonne Willicks permanent selbst. Ihre redundante Forderung nach mehr Produkt-Informationen auf Verpackungen wirkte geradewegs penetrant und veranlasste einen Zuschauer zu einem süffisanten Kommentar auf facebook. „Frau Willicks möchte am liebsten noch auf der Verpackung stehen haben, welche Hobbys der Bauer hat.“

Dass Louisiana-Flusskrebse nicht etwa aus dem Mississippi, sondern aus Binnenfischerei in China stammen, vermag heutzutage nicht wirklich zu verwundern. Ebenso finden Lachse und Forellen aus Aquakulturen in Norwegen bzw. Polen den Weg in die Supermarktregale. Das ist lediglich das Äquivalent zur Massentierhaltung von Hühnern, Kühen und Schweinen. Anders lässt sich die enorme Nachfrage aber wohl gar nicht mehr decken. Ob dies ethisch und ökologisch vertretbar ist, steht auf einem anderen Blatt.

Leider verpasste es die Talkrunde auf die wirklichen Verbrauchertäuschungen und Lügen der Industrie einzugehen. Natürlich bewegen sich diese in einem gesetzlichen Rahmen, aber das liegt selbstverständlich auch an der Lobbyarbeit der Lebensmittelindustrie. Wirklich katastrophal ist es doch, wenn ein Lebensmittel suggeriert etwas zu sein, was es de facto nicht ist.

Fruchtjoghurt beispielsweise, der mit den Abbildungen herrlicher Früchte auf den Deckeln lockt und mit gesundheitsfördernden Joghurtkulturen wirbt. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe und die Nährwertangaben aber verrät, dass diese Joghurts zu einem Großteil aus Zucker bestehen und der Geschmack ausschließlich (natürlichen) Aromen zuzuschreiben ist. Das ist Verbrauchertäuschung!

In Fällen wie diesen wirkt der von Herrn Abraham ins Feld geführte „mündige Verbraucher“ geradewegs lächerlich. Selbstverständlich schmeckt der Joghurt bei den zugesetzten Aromen und all dem Zucker. Das ist aber auch kein Wunder. Jeder Chemie-Lehrer könnte Naturjoghurt mit Zucker und ein paar Tröpfchen Chemie in einen leckeren Joghurt verwandeln. Die Frage ist nur, ob wir das wirklich wollen.

Tragischerweise aber haben wir in diesem Fall z.B. nur die Wahl zwischen Kauf und Nicht-Kauf, die große Produktvielfalt ist nämlich nur eine trügerische Wahlfreiheit. Selbst höherpreisige Marken wie Landliebe oder Weihenstephan benutzen Aromen. In keinem einzigen Supermarkt fand ich bisher einen natürlichen Fruchtjoghurt ohne zugesetzte Aromastoffe. Ebenso werden vermeintlich hochwertige Produkte wie z.B. Bertolli-Pesto mit billigen Inhaltsstoffen gestreckt. Dass Kartoffelflocken in einem echten Pesto nichts verloren haben, dürfte nicht nur Italienern bekannt sein.

Selbst mit Bio-Produkten wird enorm viel Schindluder getrieben. Wie kann es sein, dass Bio-Honig laut Etikett aus EG- und nicht-EG-Ländern zusammengemixt wird? Einzig der wesentlich teurere echte dt. Imker-Honig ist qualitativ hochwertig und als regional vertriebenes Produkt ökologisch vertretbar (obwohl er kein Bio-Siegel trägt). Wie ist es zu rechtfertigen, dass Bio-Kartoffeln in Ägypten angebaut und dafür Unmengen kostbaren Wassers verschwendet werden, während in Deutschland gleichzeitig Ackerland brach liegt und sogar Kartoffeln vernichtet werden müssen? – Was hat das noch mit Ökologie zu tun?

Fettreduzierte Milchprodukte enthalten häufig einen höheren Zuckeranteil, um den Geschmack beizubehalten. Und das, obwohl der menschliche Organismus wesentlich besser Fett verarbeiten kann als Zucker. All so etwas kann man nur wissen, wenn man zufällig darüber gestolpert ist oder darauf hingewiesen wird. Die Industrie aber wünscht sich unmündige und unkritische Verbraucher.

Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass insbesondere für Kinder beworbene Lebensmittel, wie Kellogg’s Müsli, Milchschnitte oder Capri-Sonne viel zu große Mengen an Zucker und Kalorien enthalten. Auf diese Weise züchtet sich die Industrie schon die Kunden von morgen. Es ist schließlich auch kein Geheimnis, dass Zucker zu Heißhungerattacken und damit zu mehr Konsum führt. Darüber hinaus sind die zuckerhaltigen Produkte natürlich auch wesentlich teurer als beispielsweise Obst oder Gemüse.

Aber über all dies verlor die Talkrunde kein Wort. Warum hat man Herrn Abraham als Vertreter für Firmen wie Nestlé und Kraft nicht auf diese Verbrauchertäuschungen und Lügen der Industrie festgenagelt? Warum ließ man Herrn Genth nicht erklären, wieso Waren aus dem Ausland, die unter katastrophalen ökologischen Umständen hergestellt werden, den Weg ins Regal schaffen, während heimische Produzenten ihre Ware vernichten müssen?

Und auf die TV-Combo aus Koch, Hauswirtschafterin und Abspeck-Komiker hätte man getrost verzichten können. Sie trugen rein gar nichts zur Diskussion bei. An ihrer Stelle wären Lebensmitteltechniker, Verbraucherschützer, Vertreter von relevanten Verbänden wie z.B. Foodwatch oder Greenpeace und vor allem auch Politiker die wesentlich interessanteren Gäste gewesen.

Wieder einmal haben uns die Öffentlich-Rechtlichen eindrucksvoll vor Augen geführt, dass hohe Kosten nicht immer mit guter Qualität einhergehen. Die Banalität der gestrigen „Hart aber fair“-Sendung steht hierfür exemplarisch.

Montag, 12. November 2012

Absolute Mehrheit: Raabs Politainment-Show


ProSiebens Allzweckwaffe Stefan Raab wagte sich gestern mit seiner Sendung „Absolute Mehrheit“ nun auch auf politisches Terrain. Doch Polit-Talks gibt es bekanntlich schon bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zur Genüge. Und um Raabs Stammpublikum für dieses Format zu begeistern, bedarf es dann doch gravierender Modifizierungen. Ein Raab allein reicht da nicht.

So versammelte Raab also vier mehr oder minder prominente Politiker und eine Jungunternehmerin auf seinem Sofa, die er dann breitbeinig und in gewohnter TV-Total-Manier zu drei Themengebieten interviewte. Währenddessen konnte das Publikum per Anruf oder SMS kostenpflichtig für die Gäste abstimmen. Sofern es einem Gast gelingt nach drei Runden mehr als 50 Prozent der Stimmen hinter sich zu bringen, winken 100.000 Euro Preisgeld.

Ein irgendwie äußerst skurriles Format, das bereits im Vorfeld auf viel Kritik stieß. Votings sind den Zuschauern des Privatfernsehens zwar alles andere als fremd (hier hat sich die Unterhaltungsindustrie vor langer Zeit eines politischen Instruments bedient), doch geht es dabei üblicherweise darum, die Gewinner diverser Castingshows zu küren oder C-Prominenz zum Kakerlaken-Wettessen antreten zu lassen. Dass politische Akteure allerdings in einem TV-Studio um ein Preisgeld und die Gunst des Publikums konkurrieren, das hat schon etwas von einem Gladiatorenkampf im Kolosseum, mit Raab als Imperator.

Insbesondere Talkgast Jan van Aken (Die Linke) schien tatsächlich – einem Gladiator gleich - um sein (politisches) Überleben „kämpfen“ zu wollen. Immer wieder wandte er sich dem Publikum direkt zu, als bettelte er geradewegs um Anerkennung. Gerade bei ihm wäre es spannend gewesen, zu erfahren, was er mit dem Preisgeld angestellt hätte. Es scheint jedenfalls ähnlich wie bei den Bochumer Stadtwerken keine Spendenvereinbarung zu existieren.

Leider blieb die spannendste Frage des Abends (Verwendungszweck des Preisgelds) jedoch unbeantwortet, da niemand die „absolute Mehrheit“ hinter sich bringen konnte. Ansonsten langweilte der Talk mit den üblichen politischen Phrasen („Wenn wir dieses Land sozial gestalten wollen, brauchen wir ein Bündnis der Starken und der Schwachen.“ – Thomas Oppermann (SPD)) und aufreizend polemischen Einspielfilmchen. Michael Fuchs (CDU) analysierte dann noch messerscharf die Sonnenscheindauer Andalusiens und Griechenlands. Dort scheint die Sonne nämlich (wer hätte das gedacht?) öfter/länger als hierzulande und daher wäre die Solarstromausbeute dort auch viel höher. Logisch, oder?!

Eine wirklich interessante Diskussion hätte aber ohnehin nie wirklich aufkommen können, weil Raab alle fünf bis acht Minuten einfach unterbrach, um mit Peter Limbourg die spannenden Zwischenstände im Zuschauer-Voting zu verkünden. Letztgenannter konkurrierte zwar nicht um das Preisgeld, wollte sich aber wohl unbedingt für die goldene Kniescheibe bewerben. „Sie können auch Politik“, schmeichelte er Raab, als gehörte diesem mittlerweile die ganze Sendergruppe.

Unter dem Quotenaspekt (11,6 Prozent Marktanteil) mag der Auftakt ja durchaus geglückt sein, inhaltlich war es aber lediglich ein weiterer Schritt in der Entertainisierung der Politik. Es ziemt sich einfach nicht für einen Volksvertreter, in Raabs TV-Arena um ein Preisgeld zu kämpfen. Andererseits wirkt Raab, der sonst mit Sendungen wie „TV Total Turmspringen, Pokerstars, Wok-WM, Quizboxen, Autoball oder BallBall“ aufwartet, als Polit-Talker wenig authentisch. Kurzum, die Sendung „Absolute Mehrheit“ ist sicherlich kein Gewinn für die TV-Landschaft, sondern absolut entbehrlich. 

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Verehrung der Einfältigkeit

Wie schlecht muss es um eine Gesellschaft bestellt sein, in der ein äußerst einfältiger junger Mann über Nacht berühmt wird, weil er bei Günther Jauch auf dem Ratestuhl saß? Dabei fiel er nicht etwa durch Wissen, Witz und Charme auf, vielmehr sorgten seine Torheit und der mehr als nachlässige Umgang mit der deutschen Sprache für Fremdschämmomente.
Und doch begeistern sich plötzlich Tausende für einen Berliner Kiosk-Besitzer. Menschen wollen Autogramme und Fotos, keine Zeitung, die nicht über ihn berichtet, über 20.000 Likes auf Facebook und weitere TV-Auftritte bei „Stern-TV“, „Markus Lanz“ und demnächst auch noch bei „Wetten dass?“.

Paradoxerweise scheint die Attraktion selbst noch der normalste Mensch in diesem Zirkus zu sein, schließlich ist ihm der Hype um seine eigene Person völlig schleierhaft. Sicher, das könnte auch dem mangelnden Intellekt geschuldet sein, doch was die Selbsteinschätzung betrifft, hatte Aaron Troschke im Talk mit Lanz einen Moment erstaunlicher Klarheit: „Ich kann absolut gar nichts“.

Wie Recht er damit doch hat. Nur Dank Jauchs wohlwollender Hilfe kam der Berliner darauf, dass ein Tunnelzug gedacht ist, die Hose am Körper zu halten oder dass das Wort „ungemein“ synonym zu „äußerst“ und „enorm“ genutzt wird. Rechnen gehört ebenfalls nicht gerade zu den Stärken des Kiosk-Besitzers, setzte er doch 10/9 mit 90 Prozent gleich.

Das war dann auch gleichzeitig das Signal für mich – trotz Langeweile – abzuschalten. Reicht es nicht, dass man sich in diversen Casting-Formaten schon über die Dummheit und die Talentfreiheit von Menschen lustig macht? Sollte das Fremdschämen auch fester Bestandteil von Quizsendungen sein? Warum überhaupt glauben ungebildete Menschen, in einer Sendung, in der es um Quizwissen geht, punkten zu können?

Wieso begeistern sich Menschen und Medien für einen solchen Kreisligaverstand? Einst verlor er seinen Job, weil er in einem Getränkemarkt arbeitend Pfandbetrug beging, für eine Beute von drei Euro. Doch anstatt eine solche Dummheit zu tadeln, erntete Troschke Applaus vom Publikum. Ein anderer Talkgast kommentierte die Aktion des Pfandbetrugs gar als „clever“. Und das frei von jeglicher Ironie!

Als wäre es nicht dumm genug, seinen Arbeitgeber zu betrügen und einen Jobverlust wegen drei Euro zu riskieren, war er ja auch noch so dumm, sich dabei erwischen zu lassen. Nein, „clever“ war das nun wirklich nicht und Beifall hat eine solche Handlung erst recht nicht verdient! Ebenso wenig Troschkes letzter Facebook-Post. Wie kann man die deutsche Sprache nur so vergewaltigen? Rechtschreibung ist doch kein Open Source Programm!

Eine Gesellschaft, die Dummheit und Einfältigkeit preist, ist krank. Sie suggeriert, dass es sich dabei um wünschenswerte Zustände handelt und setzt damit gefährliche und kontraproduktive Reize. Andererseits verleitet sie gebildete Individuen dazu, sich angewidert von der Gesellschaft abzuwenden. Womöglich schwebte Goethe eine solche Gesellschaft vor, als er Mephisto sagen ließ: „[...] alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.“

Donnerstag, 6. September 2012

Precht – Eine ZDF-Inszenierung des Gala-Philosophen

Am Sonntag startete das ZDF seine neue Philosophie-Talk-Reihe mit Richard David Precht. Selbstverständlich nicht, ohne große Ankündigungen und Vorschusslorbeeren für den Bestsellerautor. Das Thema der ersten Sendung wirkte nicht weniger hochtrabend und reißerisch: „Skandal Schule – Macht Lernen dumm?“

Was Precht und das ZDF dem Publikum dann boten, waren jedoch Plattitüden und Parolen auf Stammtischniveau. 45 Minuten, in denen Precht und sein Talkgast, der Hirnforscher und Schulkritiker Gerald Hüther, vorformulierte Sätze wiedergaben und sich gegenseitig in ihrer vorgefertigten, undifferenzierten Meinung bestätigten. Die ganze Sendung stand im krassen Widerspruch zur geäußerten Kritik. Kreativität, Originalität und Frische fehlen offenbar nicht nur im Schulsystem, sondern in eklatanter Weise auch in Prechts eigener Sendung.

Zu leblos, zu gewollt, zu inszeniert war der Talk, als dass er es vermocht hätte, zu inspirieren. Alternative Ideen zum System oder gar Lösungen hatten die beiden nicht parat. Das Konzept der Sendung erinnerte eher an eine amerikanische Wahlkampfveranstaltung als an philosophische Gedankenspielchen. Der politische Gegner wird hemmungslos mit Schmutz beworfen, in der Hoffnung, sich beim Wähler auf diese Weise zu profilieren und in dessen Gunst besser zu stellen. „Negative Campaigning“ nennt sich diese Strategie - müßig zu erwähnen, dass es die primitivste und niederträchtigste Form des (Wahl)Kampfs ist.

In den Augen der beiden Chefkritiker hat das deutsche Schulsystem in dieser Form keine Zukunft. Potentiale der Kinder würden nicht nur nicht gefördert, sie würden sogar zerstört. Auch Kreativität und selbstständiges Denken seien unerwünscht. Ein solches System könnten wir uns gar nicht länger leisten, da das Lernen keinen Spaß machte und das Gelernte aufgrund fehlender emotionaler Verknüpfungen auch schnell wieder in Vergessenheit gerate. Vermittelt würden die falschen Inhalte von den falschen Leuten.

Hüther wartete sogar mit der äußerst eigenwilligen These auf, jedes Kind sei auf seine eigene Weise hochbegabt. Endgültig disqualifizierte er sich aber, als er eine Kausalität zwischen dem Schulsystem und Alkoholismus ausgemacht haben wollte. Von der Wissenschaft hatten sich Precht und Hüther zu diesem Zeitpunkt bereits meilenweit entfernt. Überhaupt, hatten sie es zu keiner Zeit darauf abgesehen, das Thema sachlich korrekt zu analysieren. Der interessierte Zuschauer wünschte sich verzweifelt ein Gegengewicht zu dieser einseitigen und oberflächlichen Systemschelte, wurde aber nicht erhört.

Das deutsche Schulsystem ist sicherlich reformbedürftig. Aber zunächst einmal muss doch die Frage gestattet sein, warum Änderungen nötig sind. War das Schulsystem immer schlecht? Wie ist es möglich, dass Deutschland trotz eines solchen Schulsystems z.B. eine Spitzenposition bei der Anmeldung von weltmarktrelevanten Patenten innehat? (Im Vergleich zu den USA sind es sogar doppelt so viele pro Einwohner)

Das System hat der Gesellschaft in der Vergangenheit also durchaus gute Dienste geleistet. Sind möglicherweise veränderten Rahmenbedingungen dafür verantwortlich, dass heute 5-10% der Schulabgänger ohne Abschluss bleiben? Vielen Schulanfängern fehlt es mittlerweile an den elementarsten Dingen: Erziehung und Sprachkenntnissen. Erziehung ist das Fundament jeglicher Bildung. Ist ein Kind nicht beschulbar, wird es die Grundlagen nicht erlernen können und jede höhere Bildung wird ihm verwehrt bleiben.

Ein bekannter Hundetrainer sagte kürzlich, dass man einem Hund kaum Schlimmeres antun könnte, als ihn nicht oder nur unzureichend zu erziehen. Der Hund wäre völlig unfrei, müsste ein Dasein an der Leine und im heimischen Umfeld fristen. Beim Menschen ist das kaum anders. Ein Kind, das keine vernünftige Erziehung genossen hat, nicht gelernt hat zu gehorchen, Autoritäten und andere Menschen zu akzeptieren, wird ebenfalls die Freiheit versagt bleiben, sich entfalten zu können.

Doch kann die Schule überhaupt mögliche Versäumnisse in der Erziehung und Lücken in der Primärsozialisation kompensieren? Die Primärsozialisation ist mit emotionaler Identifikation verbunden und daher prägender und tiefer verwurzelt als die sekundäre Sozialisation. Möglichkeiten der Schule, korrigierend einzugreifen sind also zumindest limitiert.

Schule sollte Anleitung zur Selbstbildung sein, darin waren sich immerhin auch die beiden Chefankläger einig. Dazu ist aber das Erlernen von Lese- und Rechtschreibkompetenzen sowie mathematischer Grundlagen unerlässlich. Und gerade diese Fähigkeiten eignet man sich nur durch ständiges repetieren an. Man kann den Kindern das Erlernen dieser Kompetenzen nicht freistellen. An dieser Stelle ist kein Raum für Kreativität. Eine Anleitung durch einen Lehrer ist hier wenn nicht notwendig, so doch zumindest sinnvoll.

Kinder müssen auch Kinder sein dürfen. Man sollte sie nicht mit den Problemen der Erwachsenen belasten. Das sind zwar auch Plattitüden, ich versuche jedoch, sie in den folgenden Sätzen mit Bedeutung zu füllen. Es dauert sehr lange, bis ein Kind selbst entscheiden kann, was gut für es ist. Und bis es soweit ist, müssen Eltern und Lehrer dies bestimmen. Kinder haben kein Selbstbestimmungsrecht und müssen auch nicht jede Erfahrung „selbstständig“ machen. Oder sollte ein Kind etwa selbst herausfinden, wie es am besten eine befahrene Straße überquert? Das Kind, dem das Überqueren beigebracht wurde, dürfte einen entscheidenden evolutionären Vorteil gegenüber anderen haben – es lebt!

Wenn der Grundstein zur Selbstbildung gelegt wurde, ist freilich ein selbstständigeres, kreativeres Lernen möglich und auch wünschenswert. Bis dahin ist es jedoch ein weiter und beschwerlicher Weg. Und um auf einem Gebiet herausragende Leistungen abrufen zu können, sind ständiges Training und unzählige Wiederholungen erforderlich.

Philosophisch war der neue Spät-Talk im ZDF wahrlich nicht. Doch Precht ist längst im Boulevard angekommen, hat es sich im Fernsehen gemütlich gemacht und lacht von Hochglanzseiten. Precht, das ist vor allem eine Marke. Ein Produkt der Kulturindustrie, das sich dem Publikum anbiedert und nach dessen Aufmerksamkeit und Anerkennung giert.

Montag, 13. August 2012

Wettbewerbshüter vs. ProSieben, RTL und Zuschauer


Da haben die beiden größten Sendergruppen Deutschlands endlich mal wieder einen Einfall, der sich nicht unter dem Begriff „Trash TV“ subsumieren lässt und dann werden sie vom Kartellamt ausgebremst. Wie es scheint, haben die Wettbewerbshüter jedoch immer nur Bedenken, wenn es um die Bestrebungen der Privatsender geht, während den Öffentlich-Rechtlichen zum Teil äußerst fragwürdige Geschäftsmodelle erlaubt werden.

Das Düsseldorfer OLG bestätigte kürzlich ein Verbot des Kartellamts, das der ProSiebenSat1 Media AG und der RTL Group die Gründung eines gemeinsamen Online-Videoportals untersagt. Viele TV-Formate sind zwar bereits online verfügbar, befinden sich jedoch verstreut in den zahlreichen Sender-Mediatheken, auf myspass oder myvideo. Eine Bündelung all dieser Inhalte auf einem zentralen Videoportal wäre also nicht nur erheblich userfreundlicher, sie trüge auch der Entwicklung Rechnung, Fernsehinhalte unabhängig vom jeweiligen Fernsehprogramm zu konsumieren.

Da das Portal bewusst offen gestaltet werden sollte, hätten auch andere Anbieter die Möglichkeit, ihre Inhalte zu präsentieren. Bei entsprechender Resonanz etablierte sich die Plattform sicher auch schnell auf Smart-TVs. Der Zuschauer bekäme ein Stückchen Macht über das Programm, würde zu seinem eigenen Programmdirektor. Es wäre eine kleine Revolution, eine Demokratisierung des Fernsehprogramms. Ein Gesichtspunkt, den die sogenannten Wettbewerbshüter völlig verkennen.  

In den USA gibt es ein solches Videoportal bereits seit 2007. Hulu ist ein Joint Venture von mehreren großen TV-Stationen und der Disney Group. Dort scheiterte das Unternehmen offenbar nicht an irgendwelchen Restriktionen. Die User freut’s!

Das Verbot hierzulande geht in erster Linie zu Lasten der User. Sie müssen weiterhin mit dem vorlieb nehmen, was die Sender ihnen im täglichen Einerlei von Trash-TV und Belanglosigkeiten so vorsetzen. Oder sie befolgen Peter Lustigs Rat und schalten einfach mal ab. Doch auch für die Privatsender wird die Entscheidung nicht folgenlos bleiben. Sie werden aller Voraussicht nach auf Dauer Zuschauer verlieren, denn die Lücke wird nicht unbesetzt bleiben.

YouTube bietet bereits Filme und Shows an. Vermutlich wird auch die nächste Generation von Smart-TVs (vlt. Android-TV oder Apple-TV?) mit umfangreichen Online-Videoportalen vernetzt sein. Durch ihr Veto schieben Kartellamt und OLG einer Win-Win-Situation für Zuschauer und TV-Stationen erst mal einen Riegel vor und dürften damit ganz nebenbei auch im Interesse der Öffentlich-Rechtlichen entschieden haben. Letztgenannte planen übrigens ebenfalls eine gemeinsame Online-Mediathek, müssen aber - anders als die private Konkurrenz - nicht fürchten, von den Wettbewerbshütern gestoppt zu werden.
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