Donnerstag, 9. Januar 2014

Der Tatortreiniger



Man sollte es ja nicht für möglich halten, aber manchmal kommt sogar bei den Öffentlich-Rechtlichen etwas Gutes aus der Produktion. Und da das einer Nadel im Heuhaufen gleicht, gehören derartige Produktionen auch besonders gewürdigt. Zu nennen wäre da zum Beispiel der Weihnachts-Tatort mit Christian Ulmen. Endlich mal eine gut inszenierte Geschichte, ohne grausam überzeichnete Charaktere und Twists, die jeglicher Logik entbehren.

Zu diesen Lichtblicken gehört zweifellos auch "Der Tatortreiniger". Bjarne Mädel alias Heiko "Schotty" Schotte ist Tatortreiniger. Sein Job beginnt da, wo die Arbeit von Kripo und Spusi endet. Schotty kratzt menschliche Überreste von der Wand und beseitigt Blutlachen. Dabei stößt er auf so allerhand schräge Gestalten. Mal landet er im Vereinsheim einer rechtsextremistischen Vereinigung oder er trifft auf einen blutverschmierten Axtmörder, der sich nach qualvollen Ehejahren gerade seiner ewig nörgelnden Frau entledigt hat.

Die Serie gleicht dabei einem Kammerspiel. Das ganze Geschehen spielt sich in nur wenigen Räumen ab und lebt praktisch ausschließlich von (in der Regel) zwei Charakteren und der Dynamik zwischen ihnen. "Der Tatortreiniger" benötigt keine bombastischen Inszenierungen, um den Zuschauer zu fesseln und zu begeistern. Es sind die Figuren und Dialoge, die faszinieren und den Tatortreiniger zu einer herausragenden Sendung machen, inmitten all der belanglosen dt. Eigenproduktionen und Kopien von ausländischen Formaten.

Aber die ARD wäre schließlich nicht die ARD, wenn sie es nicht vollbrächte, selbst ein tolles Format noch zu zerstören. Erstmals ausgestrahlt wurde "Der Tatortreiniger" um Weihnachten 2011 im Nachtprogramm des NDR. Ohne besondere Vorankündigung. Dementsprechend waren dann auch die Quoten. Kaum messbar. Doch binnen kürzester Zeit entwickelte sich ein Hype im Netz um die neue Serie und auch Kritiker fanden Gefallen an dem Format.

Bereits die Wiederholungen erzielten einen achtbaren Quotenerfolg. Doch diverse Comedy-, Fernseh- und zwei Grimme-Preise später hat sich nichts an der stiefmütterlichen Behandlung des Tatortreinigers seitens der ARD verändert. Vergeblich suchte man auf der Website nach Vorankündigungen und neuen Sendeterminen. Ja nicht einmal die bisherigen Episoden waren in der Mediathek abrufbar. Lediglich zweiminütige Teaser, wie sie auch auf dem offiziellen YouTube-Channel zu finden sind. Doch so etwas taugt allenfalls als Bonusmaterial, ohne die entsprechenden Episoden steigert es nur die Frustration!

Seit Dienstag ist "Der Tatortreiniger" nun wieder im Spätprogramm des NDR zu finden. Drei Tage am Stück werden jeweils eine Wiederholung um 22:00 Uhr und eine neue Episode um 22:30 Uhr ausgestrahlt. Wieder einmal ohne große Promotion. Selbst in den Feuilletons muss man schon gut suchen, um etwas über die neuen Episoden zu erfahren. SPON widmet sich zum Beispiel lieber dem Start der gefühlt 132 Staffel von DSDS. Immerhin traf sich jedenfalls die Süddeutsche zu einem Interview mit den Erfindern der Serie Bjarne Mädel und Arne Feldhusen. Beide arbeiteten übrigens auch schon bei "Stromberg" zusammen.

Im Gespräch mit der Süddeutschen wird vor allem deutlich, wie enttäuscht Mädel und Feldhusen von ihrem Auftraggeber, der ARD, sind. Von miesen Produktionsbedingungen - die Zahl der Drehtage und damit die Bezahlung des Teams werden immer weiter zusammengekürzt - über den schlechten Umgang mit der Serie und nicht vorhandener Kommunikation zwischen ARD und Produktionsteam ist da die Rede. Dabei wurden bereits über 40.000 DVD-Boxen abgesetzt und Senderechte nach Frankreich und in die USA verkauft.

Doch anstatt, dass sich NDR und ARD mit dem Erfolg der Serie brüsten, der Sendung einen festen Platz im Programm einräumen und eine entsprechende Episodenanzahl in Auftrag geben, senden sie das Format binnen drei Tagen im Spätprogramm kaputt und längst produzierte Episoden verschwinden sogar monatelang unausgestrahlt in den Tiefen des Senderarchivs.

Es ist wirklich beschämend, wie die Öffentlich-Rechtlichen mit qualitativ hochwertigen Produktionen made in Germany umgehen. Entweder sie landen irgendwo im Nachtprogramm oder auf einem der zahlreichen Spartensender oder sogar beides. Heute Abend rückt Schotty zum vorerst letzten Mal zur Tatortreinigung aus. Wann es das nächste Mal soweit sein wird, das weiß wohl nur die ARD...

Also reingezappt! Heute 22:00 Uhr NDR.
Alle bisher ausgestrahlten Episoden gibt es auch im Maxdome-Paket. In der NDR Mediathek lassen sich zumindest die zuletzt ausgestrahlten Episoden noch einmal anschauen.

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